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Cashflow bei Zwangsversteigerungen berechnen

Zwangsversteigerungen haben eine andere Kostenstruktur als der freie Immobilienmarkt. Kein Notar, kein Makler — aber Gerichtskosten und 4 % Zinsen ab Zuschlag. Das verändert die gesamte Cashflow-Rechnung. Hier ist die vollständige Formel, die wir bei Objektakte für jedes Objekt anwenden.

Warum Cashflow bei Zwangsversteigerungen anders funktioniert

Bei einem normalen Immobilienkauf zahlen Sie Makler, Notar und Grunderwerbsteuer. Bei einer Zwangsversteigerung entfallen Makler und Notar komplett — dafür kommen Gerichtskosten und 4 % Verzugszinsen auf den Zuschlagsbetrag hinzu. Unterm Strich sparen Sie 3-6 Prozentpunkte bei den Nebenkosten.

Kostenposition Zwangsversteigerung Freihandkauf
Grunderwerbsteuer3,5-6,5 %3,5-6,5 %
Notarentfällt~1,5 %
Maklerentfällt3-6 %
Gerichtskosten / Zuschlag~0,5 %
Grundbucheintrag~0,5 %~0,5 %
Zinsen auf Kaufpreis (4 % p.a., 6-8 Wochen)~0,5 %
Summe Nebenkosten 5-8 % 8-15 %

Quellen: Dr. Klein Beispielrechnung (VW 250.000 EUR: ZV-Gesamtkosten 218.329 EUR vs. Regelkauf 286.250 EUR = 26 % Differenz), eigene Berechnung.

Grunderwerbsteuer nach Bundesland

Bayern 3,5 %
Hamburg 5,5 %
Sachsen 5,5 %
Niedersachsen 5,0 %
Berlin 6,0 %
Hessen 6,0 %
Baden-Württemberg 5,0 %
Bremen 5,0 %
NRW 6,5 %
Brandenburg 6,5 %
Schleswig-Holstein 6,5 %
Thüringen 5,0 %
Saarland 6,5 %
Sachsen-Anhalt 5,0 %
Meck.-Vorpommern 6,0 %
Rheinland-Pfalz 5,0 %

Die 7-Komponenten-Formel

Ein Cashflow-Rechner, der nur Miete minus Kredit rechnet, ist unbrauchbar. Wir berechnen den monatlichen Cashflow aus 7 Komponenten — jede mit einer nachvollziehbaren Datenquelle.

Monatlicher Cashflow =
+ Kaltmiete Deutschlandatlas, gemeindescharf
Kreditrate Zins (Bundesbank-Zeitreihe) + Tilgung
Hausgeld (nicht umlegbar) Verwaltung, Instandhaltungsrücklage
Instandhaltung Peterssche Formel, altersabhängig
Verwaltung Pauschal oder WEG-basiert
Anlaufkosten Leerstand, Renovierungsdauer
Erbbauzins Nur bei Erbbaurecht (selten)

Die Mietauslastung ist dabei kein pauschaler Wert: Wir berechnen sie als 100 % − Leerstandsquote − 2 % Mietausfallwagnis, gekappt auf 75-97 %. Die Leerstandsquote kommt aus dem Deutschlandatlas auf Kreisebene (400+ Kreise) — Berlin hat 2,0 %, Elbe-Elster 9,3 %. Das macht einen erheblichen Unterschied im Cashflow.

Der Zuschlagspreis — der größte Hebel

Keine andere Variable beeinflusst den Cashflow so stark wie der Preis, den Sie tatsächlich zahlen. Und hier liegt der entscheidende Vorteil der Zwangsversteigerung: Der Zuschlag liegt fast nie beim vollen Verkehrswert. Aber wie viel darunter — das hängt stark von der Region ab.

Echte Zuschlagsquoten aus Grundstücksmarktberichten

Kreis / Stadt Ø Zuschlag (% des VW)
Potsdam 56 %
Hagen 62 %
Märkischer Kreis 63 %
Kreis Viersen 78 %
Rhein-Erft-Kreis 84 %
Krefeld 85 %
Kreis Paderborn 89 %
Landkreis Zwickau 89 %
Barnim 95 %
Hamm 97 %

Quelle: Amtliche Grundstücksmarktberichte (GMB) der jeweiligen Gutachterausschüsse. Uni Weimar (Kohts, 2010): Durchschnittliche Erlösquote bundesweit 59 % des Verkehrswerts (±21 Prozentpunkte).

Wie sich der Zuschlagspreis auf den Cashflow auswirkt

Ein Objekt mit 100.000 EUR Verkehrswert, 8,00 EUR/m² Miete, 80 m², in NRW. So verändert sich der monatliche Cashflow je nach Zuschlagspreis:

Zuschlag 70 % VW
70.000 EUR
Kreditrate: 333 EUR/Mo
+211 EUR/Mo
Cashflow vor Steuer
Zuschlag 85 % VW
85.000 EUR
Kreditrate: 404 EUR/Mo
+140 EUR/Mo
Cashflow vor Steuer
Zuschlag 100 % VW
100.000 EUR
Kreditrate: 475 EUR/Mo
+69 EUR/Mo
Cashflow vor Steuer

Annahmen: 3,7 % Zins, 2 % Tilgung, 80 EUR Hausgeld n.u., 85 % Mietauslastung, 8 % Nebenkosten (NRW).

Beispielrechnung: Eigentumswohnung in Essen

Eine echte Cashflow-Rechnung mit realen Marktdaten. 87 m² Eigentumswohnung, Baujahr 1909, Verkehrswert 55.000 EUR, Zuschlag bei 70 % des VW.

Schritt für Schritt
Kaufkosten
Zuschlagspreis (70 % von 55.000 EUR)38.500 EUR
Nebenkosten (8 % — NRW)3.080 EUR
Renovierung (Heizungseinbau + Grundsanierung)15.000 EUR
Gesamtinvestition56.580 EUR
Finanzierung
Eigenkapital20.000 EUR
Kredit (3,7 % Zins + 2 % Tilgung)36.580 EUR
Kreditrate / Monat174 EUR
Monatliche Rechnung
Kaltmiete (8,00 EUR/m² x 87 m² x 85 % Auslastung)+591 EUR
Kreditrate-174 EUR
Hausgeld (nicht umlegbar)-80 EUR
Cashflow vor Steuer +337 EUR / Monat
Bruttomietrendite
14,5 %
Kaufpreis / m²
443 EUR
Datenquelle Miete
Mietspiegel Essen 2025

Quelle: Eigene Berechnung auf Basis realer Objektdaten (anonymisiert). Mietdaten: Deutschlandatlas / Mietspiegel Essen. Leerstandsquote Essen: 3-4 %. Risiken: Baujahr 1909, Heizungseinbau notwendig, Renovierungskosten können höher ausfallen.

Was den Cashflow killt — die versteckten Kosten

Die größten Fehler bei der Cashflow-Berechnung sind nicht die offensichtlichen Kosten. Es sind die Posten, die Anfänger vergessen.

Renovierungskosten: 4 Szenarien für eine 80-m²-Wohnung

A: Kosmetisch
7.800-15.900 EUR
Malern, Bodenbelaege, Armaturen
B: Modernisierung
37.300-65.900 EUR
+ Bad, Elektrik, Fenster
C: Kernsanierung
68.000-138.500 EUR
Komplettsanierung inkl. Statik
D: Investor-Minimum
18.300-29.000 EUR
Vermietbar machen, nicht perfekt

Regionale Unterschiede: München +25-35 %, Hamburg/Stuttgart +15-20 %, Ruhrgebiet Referenz, Ostdeutschland ländlich -15-25 %. Quelle: Eigene Benchmarks auf Basis offizieller Referenzen und Branchendaten.

Hausgeld: Was davon wirklich bei Ihnen hängen bleibt

Nicht das gesamte Hausgeld belastet den Cashflow — nur der nicht umlegbare Anteil. Betriebskosten (Heizung, Wasser, Versicherung) zahlt der Mieter. Verwaltung und Instandhaltungsrücklage bleiben beim Eigentümer.

Peterssche Formel für die Instandhaltungsrücklage:
(Herstellungskosten x 1,5) / 80 Jahre
Davon 65-70 % Gemeinschaftseigentum. Richtwerte: Neubau 5-8 EUR/m²/Jahr, Altbau >30 Jahre: 10-15 EUR/m²/Jahr.

Leerstand: Nicht pauschal rechnen

Viele Rechner nehmen pauschal 80 % Mietauslastung an. Das ist in Berlin (2 % Leerstand) viel zu konservativ und in Sachsen-Anhalt (bis 9 %) viel zu optimistisch. Wir nutzen die echten Leerstandsquoten aus dem Deutschlandatlas auf Kreisebene — für 400+ Kreise in Deutschland.

Wann lohnt sich ein Objekt? Rendite-Heuristiken

Nicht jede Zwangsversteigerung ist ein Deal. Diese Kennzahlen helfen, schnell zu filtern:

≥ 4 %
Bruttomietrendite
(Jahreskaltmiete / Kaufpreis) x 100.
Unter 4 % ist positiver Cashflow bei aktuellen Zinsen kaum möglich.
≤ 20x
Kaufpreis-Multiplikator
Kaufpreis / Jahreskaltmiete.
Über 20x ist bei Fremdfinanzierung fast immer Cashflow-negativ.
6,2 %
Leverage-Schwelle
Zins (3,7 %) + Tilgung (2 %) + Verwaltung (0,5 %) = 6,2 %.
Bruttomietrendite muss darüber liegen.

Bestandsmieten im Ruhrgebiet (Mietspiegel 2025)

Stadt Bestandsmiete/m² Leerstandsquote
Gelsenkirchen7,05 EUR~7 %
Hagen7,00 EUR~7 %
Dortmund7,50 EUR~2,5 %
Wuppertal7,50 EUR~3-4 %
Essen8,00 EUR~3-4 %

Quelle: Offizielle Mietspiegel 2025 der jeweiligen Städte (Bestandsmieten, nicht Angebotsmieten). Leerstandsquoten: Deutschlandatlas / Zensus. Bestandsmieten sind die realistische Grundlage für unsanierte ZV-Objekte.

Wir berechnen den Cashflow für jedes aktive Objekt

Die 7-Komponenten-Formel, echte Mietdaten, echte Zuschlagsquoten — automatisch, für jede Zwangsversteigerung in Deutschland. Täglich aktualisiert.

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Häufige Fragen zur Cashflow-Berechnung

Wie unterscheidet sich der Cashflow bei einer Zwangsversteigerung vom normalen Immobilienkauf?
Drei Unterschiede: Erstens niedrigere Nebenkosten (5-8 % statt 8-15 %, weil Makler und Notar entfallen). Zweitens ein typisch niedrigerer Kaufpreis — der Zuschlag liegt laut amtlichen Grundstücksmarktberichten je nach Region bei 56-97 % des Verkehrswerts. Drittens muss man die 4 % Verzugszinsen auf den Zuschlagsbetrag einkalkulieren, die ab dem Zuschlagstag bis zur vollständigen Zahlung anfallen (typisch 6-8 Wochen). Unterm Strich verbessert die ZV-Struktur den Cashflow erheblich — wenn man den richtigen Preis zahlt.
Welche Mietdaten sollte man für die Cashflow-Berechnung verwenden?
Nie Angebotsmieten von Immobilienportalen — die liegen typischerweise 10-20 % über dem, was unsanierte ZV-Objekte tatsächlich erzielen. Wir verwenden die amtlichen Bestandsmieten aus dem Deutschlandatlas, die auf Gemeindeebene vorliegen (tausende Gemeinden). Für unsanierte Objekte sind Bestandsmieten die realistischere Grundlage. Angebotsmieten können erst nach einer Sanierung angesetzt werden.
Wie berechnet man die Mietauslastung realistisch?
Nicht pauschal 80 % ansetzen. Die Formel: 100 % minus Leerstandsquote minus 2 % Mietausfallwagnis, gekappt auf 75-97 %. Die Leerstandsquote kommt aus dem Deutschlandatlas auf Kreisebene — Berlin hat 2,0 %, der Elbe-Elster-Kreis 9,3 %. Vermietete Objekte bekommen einen halben Leerstandsabzug (der Mieter ist ja schon drin). Unbewohnbare Objekte werden mit 0 % Auslastung gerechnet, bis sie saniert sind.
Ab welcher Bruttomietrendite lohnt sich eine Zwangsversteigerung?
Bei aktuellen Zinsen (3,7 % Stand Januar 2026) und 2 % Tilgung brauchen Sie mindestens 4 % Bruttomietrendite für neutralen Cashflow — und über 6,2 % für komfortabel positiven Cashflow bei Vollfinanzierung. Als Multiplikator bedeutet das: Der Kaufpreis sollte maximal das 20-fache der Jahreskaltmiete betragen. Im Ruhrgebiet erreichen ZV-Objekte derzeit 4,4-7,5 % Bruttomietrendite — in München oder Berlin ist das kaum möglich.